hochbegabt????
Die Schule hat dem Kind einen Flyer fuer ein Sommercamp fuer Kinder mit Hochbegabung mitgegeben. Das hoert sich super an, Kind wuerde auch gern hin. Voraussetzungen fuer das Camp sind Gutachten, oder Teilnahme an Hochbegabtenprogrammen, Nachweis irgendwelcher anderen Special Dinge, an denen er nie teilgenommen hat. Gut, notfalls reicht auch eine Empfehlung der Grundschule.
Die Grundschule wird das empfehlen. Seine Lehrerinnen meinten zu mir, er sei den anderen in seiner Klasse weit voraus, und sie wuerden eigentlich den sofortigen Umzug aufs Gymnasium empfehlen, wenn da nicht seine Vatersprache griechisch waere, in der er noch ein wenig hinterherhinkt, was verhindert, dass er sich da komplett langweilt.

Aber - Hochbegabung? Mein Kind? Ich dachte immer, das haette etwas mit Inselbegabungen zu tun, so kleine Mozarts oder Magnus Carlsens. Daher habe ich mich mal ein bisschen bei der Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. belesen und waere fast vor Verblueffung vom Stuhl gefallen.
Ich zitiere aus https://www.dghk.de/fuer-eltern/wie-erkennen-eltern-hochbegabung/, die Haekchen stammen von mir fuer zutreffend / sehr zutreffend:


Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen für Eltern, eine mögliche Hochbegabung bei ihrem Kind zu erkennen. Nicht bei jedem Kind treffen alle Merkmale zu, eine Häufung von Merkmalen ist aber ein Hinweis auf eine mögliche Hochbegabung:

✔ Das Kind hat sehr früh ein starkes Interesse an seiner Umgebung.
✔ Es fängt früh an zu sprechen, „überspringt“ die Baby-Sprache, bildet sehr schnell ganze Sätze und verfügt über einen großen Wortschatz.
✔ Es zeigt früh ein starkes Interesse an Symbolen, wie Automarken, Firmen-Logos und dann auch an Buchstaben und Zahlen.
✔ Es löchert Erwachsene mit aufeinander aufbauenden Fragen – auch zu nicht vermeintlich „altersgerechten“ Themen.
✔ Es erfasst komplexe Zusammenhänge und überträgt diese auf andere Fragestellungen.
✔ Es hat Spaß am Lernen von unterschiedlichsten Themen.
✔✔ Es zeigt einen starken Gerechtigkeitssinn und hinterfragt Entscheidungen von „Autoritäten“. Hat es den Sinn dieser Entscheidungen aber eingesehen, folgt es ihnen manchmal mehr als 100-prozentig.
✔ Es verblüfft Erwachsene häufig mit Fragen nach Ursprung und Sinn des Lebens.
- Es bringt sich selber Lesen und Rechnen bei, ohne sagen zu können, wie es das geschafft hat.
✔ Es fällt durch eine starke Phantasie auf und zeigt Initiative und Originalität bei intellektuellen Herausforderungen.
✔ Es verblüfft durch ein gutes Gedächtnis.
✔✔ Es ist ausgesprochen sensibel für zwischenmenschliche Beziehungen.
✔ Es unterhält sich und spielt lieber mit älteren Kindern oder Erwachsenen als mit Gleichaltrigen.
- Es hat nur ein geringes Schlafbedürfnis.


WTF??? Ich dachte bei vielen Sachen, die waeren voelliger Standard bei, naja, Kindern halt.

Besonders die beiden doppelten Haekchen sind interessant. Genau diese Sachen erklaeren naemlich vieles. Warum er so oft mit den anderen Kindern zusammenrasselt - und immer derselben Sache wegen: Nichteinhaltung von Regeln oder verletzter Gerechtigkeitssinn.

Und wenn dem so ist, gibt es beim Schulpsychologischen Dienst bestimmt auch Beratungsmoeglichkeiten, Hilfestellungen fuers Kind, wie es solche Situationen besser bewaeltigen lernen kann. Bei ihm ist es naemlich so: Er versucht es zunaechst argumentativ. Scheitert damit aber natuerlich in emotional aufgeladenen Situationen regelmaessig, und wird dann irgendwann wuetend. Wer kennt das nicht.

Und aus irgendwelchen Gruenden bekommt dann nach seinem Gefuehl immer er die Schuld, obwohl er doch im Recht war.
Schwierig.

Ich meinte mal zu ihm "hm, das passiert immer nur in eh schon so emotionalen Situationen wie Fussball oder an der Tischtennisplatte. Beim Basteln hast du dich noch nie gekabbelt."
"Nein, Mama. Beim Basteln gibt es ja auch keine Regeln an die man sich halten muss!!", antwortete das Kind.

Nuun, fuer mich ist das in erster Linie ein Weckruf, da mal genauer drauf zu schauen, wie ich ihm besser helfen kann. Bei diesen kleinen Dingen. Weil, ansonsten managt sich dieses Kind in erstaunlichem Masse selbst. Ich muss eigentlich nie mit ihm ueben oder Hausaufgaben machen oder an irgendwas denken.

Mein Baby.

Uebermorgen wird er 10.

ZEHN!!!

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