Schach
Der halbe Grieche spielt neuerdings Schach. Das hat er nicht von uns, sondern es gibt an der Schule eine Schach-AG, und da der Schachlehrer supernett und engagiert ist und das Kind mit dessen Sohn in eine Klasse geht, wollte er es mal ausprobieren. Und offensichtlich gefiel es ihm sehr gut, seitdem ist er jetzt freitags in der Schach-AG. Zudem hat er Talent. Im Gegensatz zu mir - ich bin ja eher Team Scrabble.

Zu der Schachbegeisterung gehoert auch, dass alles rezipiert wird, was das Netz so hergibt. Schachlehrvideos auf youtube, Schachlehrapps auf dem Tablet, selbst wenn in irgendeinem Hintergrundbild in einem Film ein Schachbrett zu sehen ist, oder eine optische Illusion mit Schachfiguren erklaert wird, alles wird aufgesogen wie ein Schwamm. Natuerlich redet das Kind inzwischen daher wie ein Vollprofi, was zunaechst sehr lustig klingt - aber er weiss wirklich, was er da erzaehlt. Zum Geburtstag bekam er folgerichtig ein schoenes Turnierschach-Spiel, ueber das er sich auch mit am meisten gefreut hat.

Nun spielt man Schach ja zu zweit, das heisst, die Familie muss jetzt immer zum Schachspielen herhalten. Auch ich. Anfangs musste ich den halben Griechen gewinnen lassen. Inzwischen ... nun ... haben wir so absurde Situationen, dass ich ihn zB. versehentlich matt setze, ohne es zu bemerken, weil ich eigentlich nur seinen Turm schlagen wollte, und er mir erstmal bescheid sagen muss "Oh, Mama, Du hast mich matt gesetzt!". Oder dass er mich kopfschuettelnd anschaut und tadelnd "Mama!..." sagt, waehrend er meine Dame einkassiert. Seit drei Spielen nun habe ich gar nicht mehr gegen ihn gewonnen. Obwohl ich inzwischen im battle mode spiele - Gnade braucht's da nicht mehr. Der ist jetzt schon besser als ich.

Das ist, auch wenn man als Elter natuerlich stolz auf das schlaue Kerlchen ist, ehrlichgesagt ziemlich deprimierend. Ich bin sogar schon so weit gegangen, mir von meinem schachspielenden Kollegen eine Trainerstunde geben zu lassen. Dabei kann der halbe Grieche noch nichtmal mehr als zwei Zuege vorausdenken. Wenn er erstmal so weit ist, brauche zumindest ich gar nicht mehr gegen ihn anzutreten.

( * geht sich eine Schachapp installieren und heimlich ueben * )

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sopravvivere, Donnerstag, 13. April 2017, 12:15
Schlimmstenfalls gibt es noch die Lösung mit einem Schach-Computer. Einen solchen hatte mein Vater und so konnte die Familie immer dann spielen, wenn sie gerade Lust hatte, auch wenn kein anderes Familienmitglied gerade Lust auf eine Partie hatte.

Zudem kann man bei einem solchen die Schwierigkeitsstufe einstellen und ist so stets gefordert.

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maracaya, Donnerstag, 13. April 2017, 12:59
Ja, mit dem Schachcomputer im Smartfon spielt das Kind auch aeusserst gern und oft, das ist wirklich eine Entlastung, zumal ich ihn jetzt tatsaechlich nicht mehr schlagen kann.

Im Mai geht er auf die ersten Kinderschachturniere und freut sich wie Bolle drauf ^^